Plattenkritik: Helios – Espera (Ghostly International)Im Mondenschein

helios

Mit Espera veröffentlicht Keith Keniff das bereits achte Helios-Album. Und wieder ist es ein schönes geworden. Kitschbefreite Entschleunigung.

„Ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen generell zu Musik hingezogen fühlen, die ruhig oder auch besinnlich ist. Unsere Welt ist eine einzige Ablenkung und wahnsinnig laut – da braucht man eine Atempause. Und je einfacher etwas ist, desto leichter kann man sich damit identifizieren. Übersetzt man diese beiden Qualitäten in Musik, kann eine sehr enge Bindung entstehen. Man muss es natürlich richtig machen.“



True that. Das sagte Keith Keniff im Interview, das wir vor fünf Jahren mit ihm führten. Leiser und weniger ablenkend ist die Welt keineswegs geworden, und seine Musik ist immer noch eine willkommene, weil schöne Atempause. Das gilt für sein Klavierprojekt Goldmund wie für den Shoegaze-Pop MintJulep, den er mit seiner Partnerin Hollie produziert, wie für Helios – Musik zwischen Ambient, Electronica und New Age, um mal ein sehr ungleichschenkliges Dreieck zu ziehen. Im August erschien das bereits achte Helios-Album, das sich mit „Espera“ in eine namentlich fast schon etwas esoterisch klingende Reihe einfügt: Caesura, Ayres, Eingya. Musikalisch ist es das aber ganz und gar nicht: Wer Goldmund wertschätzt für die Art und Weise, mit der Keniff den Kitsch, der so manchem postklassischen Klavier-Release innewohnt, elegant umfährt, wird „Espera“ vielleicht auch mögen, wenngleich die Instrumentation deutlich vielseitiger ist und desöfteren ein langsamer Beat das Stück begleitet. Besonders schön ist die gewisse Luftigkeit, die durch die Tracks weht. Tiefe, staatstragende Ambient-Flächen, aus denen es kein Heraus mehr zu scheinen gibt, sind Keniffs Sache hier nicht, immer wieder gibt es neue Elemente und Klänge, während andere sich zurückziehen, Gitarren und Flöten geben dem Ganzen Organisches, Pausen sorgen für, da haben wir sie wieder, Atempausen. Und dann sind da immer wieder die Momente, in denen kleine Sonnen aufgehen. Oder Monde im ersten (oder letzten?) Licht des Tages, wie auf dem Cover. Ein wunderbares Kleinod.

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