Leseliste 09. September 2018 – andere Medien, andere ThemenPolizei, Kopfsalat, polyamore Macker und Mafia

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Jede Woche liest die Redaktion das Internet leer, um sonntäglich vier Lesestücke empfehlen zu können. Artikel, die interessant, relevant oder gar beides sind – und zum Glück abgespeichert wurden.

Polizei

Die Polizei in Deutschland steht nach den rassistischen Vorfällen und Unruhen in Chemnitz (mal wieder) in der Kritik. Immer wieder werden Affinitäten zum rechten Spektrum nachgesagt. Aber welche Rolle spielen Rassismus und Diskriminierung im tatsächlichen Alltag von Polizisten wirklich? Was ist mit Racial Profiling, alles nur Zufall? Für „jetzt“ haben vier Polizisten und Seelsorger anonym erzählt, was hinter den Kulissen von Korpsgeist und strengen Hierarchien wirklich passiert. Die Journalistin Nadja Schlüter hat diese O-Töne aufgezeichnet und die Berichte verhärten, was viele von uns schon lange befürchtet haben.

„ Führungspersonen, teils auch sehr hochrangige, die als ‚nicht mehr tragbar’ gelten, landen häufig an der Akademie und unterrichten dann die Polizeischüler.“

„Wer rechts außen ist, kann trotzdem Polizist werden“

Kopfsalat

Im südwestlichen Arizona – genauer: im Yuma Valley – wird massig Salat angebaut. Kopfsalat, Romanasalat, dutzende weitere Sorten. Inmitten des hochtechnologisierten und industriellen Business’ braucht es aber immer noch die menschliche Hand und ein großes Messer fürs Ernten, fürs erste Schneiden, fürs Fahren, kurzum: fürs auf-den-Weg-bringen. Diese Reportage führt detailreich durch den Verarbeitungsprozess und beginnt bei harter Feldarbeit:

„This is the pace of modern American farming: a Mexican-American great-grandfather dipping at the waist and brandishing a lettuce knife like a musketeer.“

Life as a Farmworker in Yuma’s Lettuce Fields

polyamorie

Foto: Kaput Mag

Polymachismo

Polyamorie ist ja das große Liebesding dieser Tage. Dieser Text versucht nicht, das Phänomen zu erklären, sondern haut drauf, genauer auf die Typen, die mit dem Vorwand des mehrfachen Liebens munter drauf los vögeln. Ein Rant, eine Typologie – und sehr lustig.

„Lässt man sich auf ein Date mit einem polyamoren Macker ein, kann es passieren, dass man sich plötzlich in einem Pulk von Leuten wiederfindet und der PAM dann auf einmal für ein paar Stunden verschwindet (warum genau will man nicht wissen) und einen cringy mit seinen Freunden sitzenlässt, er einen zum Gruppenkuscheln (GruKu) animiert oder plötzlich los muss, denn in zwei Stunden wartet die nächste Verabredung/der nächste gefühlsschwangere Fick.“

Der polyamore Macker

Kriminelle Zitronen

Wer das nächste Mal Zitronen im Supermarkt in den Einkaufswagen legt, kann mit gutem Gewissen an die Mafia denken und im Geiste an Al Capones Tisch Platz nehmen. Denn die Entstehungsgeschichte der Cosa Nostra ist eng mit dem Boom der Zitrusfrucht und deren Anbau auf Sizilien verknüpft. Die Nachfrage war Mitte des 19. Jahrhunderts explodiert und Sizilien eines der Hauptanbaugebiete. Doch die politischen und sozialen Umstände auf der Insel gestalteten sich schwierig. Es herrschte tiefes Misstrauen gegenüber der italienischen Regierung auf dem Festland. Und genau das machte sich die Mafia zunutze, kassierte Schutzgeld, zwackte Teile der Ernte ab und wuchs und wuchs und wuchs. Und expandierte schließlich auch in die USA, wo in Florida schon bald die Zitronen-Konkurrenz blühen sollte.

„Despite the drawbacks, in the chaotic environment of Sicily at the time, the local mafiosi were often preferred to the representatives of the oppressive Italian state.“

The big squeeze

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Chris Liebing, Rejoicer und Ital Tek

Klappstulle mit doppelt KäseFilmkritik: „Mackie Messer – Brechts 3Groschenfilm“